Nachbarschaftshilfe erfolgreich

Veröffentlicht am 09.02.2021 in Ortsverein

Impftermine für 60 Seniorinnen und Senioren vereinbart

 

In Baden-Württemberg ist die Vergabe von Impfterminen weiterhin ein Geduldsspiel: Anrufer werden meist bereits an der Hotline 116117 mit den Worten vertröstet, dass es derzeit leider keine Impftermine gebe, weil kein Impfstoff verfügbar sei: „Bitte rufen Sie uns zu einem späteren Zeitpunkt erneut an“. Eine ähnliche Absage erhalten Menschen, die auf impfservice.de versuchen, einen Termin zu buchen.

Um allen Ilvesheimer Bürgerinnen und Bürger über 80 Jahren bei der Anmeldung zu helfen, haben die von der SPD koordinierte Nachbarschaftshilfe und das Rathaus kurzerhand ein Unterstützungssystem auf die Beine gestellt. Die Nachfrage ist riesig. Mittlerweile zählen die ehrenamtlichen Helfer und die Verwaltung deutlich mehr als 100 Personen auf der Anruferliste. Und immer noch erreichen uns täglich neue Anfragen, über die wir uns freuen. Denn es ist unser Ziel, nicht nur an die Impfbereitschaft zu appellieren, sondern auch das Vertrauen in den Prozess zu stärken. 

Waltraud Keller ist eine von 60 Seniorinnen und Senioren, die von der Nachbarschaftshilfe bereits einen Termin im Mannheimer Impfzentrum vermittelt bekamen. Mit großer Freude hat Frau Keller die Terminbestätigung und alle dazugehörigen Dokumente entgegengenommen. Wenige Tage nach der Impfung schwärmt Frau Keller von der hervorragenden Organisation im Impfzentrum.  „Bitte schreiben Sie, wie gut das alles läuft, wenn man mal einen Termin hat. Die Leser sollen wissen, wie toll die Organisation im Impfzentrum ist. Alle dort sind so nett und hilfsbereit“, berichtet Frau Keller. Bislang haben wir ausschließlich positive Rückmeldung von bereits geimpften Personen zum Impfzentrum in Mannheim erhalten.

Solche Rückmeldungen bestärken die Ehrenamtlichen der Nachbarschaftshilfe bei ihrer Arbeit. Für etwas Frust sorgt jedoch weiterhin der umständliche und in Teilen auch nicht nachvollziehbare Prozess der Terminvergabe. Aktuell werden wieder täglich um 17 Uhr Termine für den nächsten Tag veröffentlicht. Warum dies immer nur für den nächsten Tag möglich ist und z.B. Buchungen im Voraus von drei Tagen nicht angeboten werden, erschließt sich uns nicht. So ist mancher hochbetagte Impfwillige schlicht überfordert, wenn abends ein Impftermin für den nächsten Morgen verkündet wird. In vielen Fällen muss auch erst einmal die Fahrt ins Impfzentrum mit Taxi, Verwandten oder Freunden abgestimmt werden.

SPD Rhein-Neckar fordert Änderungen bei der Impfanmeldung

Nach einem Vor-Ort-Termin im Impfzentrum in Heidelberg fordern die Abgeordneten der SPD Rhein-Neckar daher schnellstmöglich Änderungen der Impfanmeldung: „Wir haben den Eindruck gewonnen, dass es in den Impfzentren sehr gut läuft, wenn man erst einmal einen Termin bekommen hat und im Impfzentrum angekommen ist. Vielen Dank an alle, die hier arbeiten und an alle, die Menschen helfen und begleiten. Aber bis es zur Terminvergabe kommt, brauchen Impfwillige in Baden-Württemberg sehr gute Nerven und jede Menge Geduld“  fasst der Bundestagsabgeordnete Lars Castellucci die Eindrücke aus einer Vor-Ort-Besichtigung zusammen.

Die Terminvergabe sei dagegen eine Zumutung, besonders für ältere Menschen, die noch zu Hause leben, vielleicht keinen Internetzugang besitzen und auf eine Hotline treffen, die Ihnen oftmals nicht helfen kann. „Wir brauchen deshalb ein System, bei dem sich Menschen unkompliziert registrieren können und daraufhin einen Rückruf oder ein Schreiben erhalten – elektronisch oder per Post – mit einem konkreten Impfangebot, sobald Termine verfügbar sind“, fordert Castellucci. 

Um zu sehen, wie es geht, genügt ein Blick ins Nachbarland Rheinland-Pfalz. Dort können sich Impfwillige registrieren lassen und werden kontaktiert, sobald Impfdosen für sie zur Verfügung stehen. Eine solche Registrierung ist in Baden-Württemberg bisher nicht möglich. Das sollte sich aus unserer Sicht schnell ändern, um die Terminbuchungen zu vereinfachen und das Vertrauen in die Impfstrategie zu stärken. Wir riskieren sonst, dass Impfwillige aufgeben, obwohl sie selbst und wir als Gesellschaft auf eine hohe Durchimpfung in der Bevölkerung angewiesen sind.

Thorsten Walther