Immerhin ist der diesjährige Haushaltsplan um über 100 Seiten schlanker als noch im Vorjahr – ohne inhaltlich etwas vermissen zu lassen. Im Gegenteil: Er wirkt übersichtlicher und strukturierter und zeigt klar, welche Weichen für unsere Inselgemeinde Ilvesheim gestellt werden sollen.
Ein solches Werk fällt natürlich nicht vom Himmel. Unser ausdrücklicher Dank gilt Frau Brinzer, die erstmals die Hauptverantwortung für diesen Haushalt trägt, sowie ihrem gesamten Kämmerei-Team. Dass dieser Haushalt trotz vakanter Bauamtsleitung und personellen Wechseln, also unter erschwerten Rahmenbedingungen so solide steht, beweist: Die Teams in der Verwaltung funktionieren. Auch der Bauhof hat hier mit aufgezeigten Einsparpotenzialen einen wichtigen Beitrag geleistet, den wir als SPD wahrgenommen haben und, was die Pflegestandards betrifft, konstruktiv begleiten werden.
Für uns als SPD-Fraktion ist klar: Dieser Haushalt ist kein reines Zahlenwerk, sondern eine zentrale Investition in die Lebensqualität unserer Bürgerinnen und Bürger, der das soziale Miteinander stärkt. Denn wir alle wissen: Der Haushalt entscheidet darüber, wie gut unsere Infrastruktur funktioniert, in welchem Zustand Straßen und Wege sind, ob Kinder in guten Einrichtungen betreut werden, Vereine verlässliche Rahmenbedingungen haben und sich die Menschen in Ilvesheim sicher und gut aufgehoben fühlen.
Der Status Quo:
Wir leben in einer Zeit, in der wirtschaftliche Entwicklungen immer stärker von globalen Ereignissen geprägt sind – internationale Krisen, geopolitische Spannungen, volatile Energiemärkte… Auch Ilvesheim bleibt von den wirtschaftlichen Unsicherheiten unserer Zeit nicht unberührt. Steigende Kosten wirken sich zunehmend auf die kommunalen Haushalte aus.
Doch ein positiver Trend ist erkennbar: Die Planungen der Verwaltung werden präziser. Lag die Planung 2025 deutlich näher am Ergebnis als die Jahre zuvor, sehen wir auch für 2026 realistische Ansätze. Dass das aktuelle Plus (IST 2025 Stand 22.01.2026) von 1,52 MEUR durch die noch ausstehenden Abschreibungen relativiert wird, ist uns dabei bewusst.
Für die SPD-Fraktion ist klar: Wir halten die Zahlen der mittelfristigen Planung für nachvollziehbar. Wir sehen aber auch die schmerzhafte Wahrheit: Die Ausgaben galoppieren davon, während die Einnahmen nur im Schritttempo folgen.
Genau deshalb darf diese Planung nicht als starre Zusage verstanden werden. Sie ist ein flexibler Orientierungsrahmen, den wir regelmäßig überprüfen und an die Realität anpassen müssen. Denn die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass eine zu zurückhaltende Darstellung der Finanzlage nicht automatisch mehr Sicherheit schafft, sondern Entscheidungsprozesse hemmen und verzögern kann. Genau diesen Lernprozess sehen wir in der aktuellen Haushalts- und Finanzplanung berücksichtigt.
Hier müssen wir uns jedoch frühzeitig ehrlich machen, was die künftigen Betriebs- und Folgekosten – etwa beim Hallenbadteil des Kombibades – angeht. Denn das ordentliche Ergebnis bleibt in den nächsten Jahren angespannt.
Abschließend ist positiv festzuhalten, dass in den unterschiedlichsten Projekten Fördermittel beantragt sind und werden. Wir sehen, dass die Verwaltung diese Themen im Blick hat und fristgerecht bearbeitet – wie etwa auch bei der Feldwegbrücke, auf die ich später noch eingehen werde.
Blicken wir aber einmal genauer auf den aktuellen Haushalt für 2026:
Gleich vorweg: Das geplante Haushaltsergebnis 2026 wird von uns im Gesamtergebnis trotz des leicht negativen Werts als ausgeglichen angesehen.
In diesem Zusammenhang lohnt sich auch ein kurzer Blick auf den Schuldenstand unserer Gemeinde. Ilvesheim startet mit lediglich rund 722 kEUR an Restkrediten in das Haushaltsjahr 2026. Selbst unter Berücksichtigung der geplanten Kreditaufnahme von maximal 3 MEUR – und damit deutlich weniger als ursprünglich vorgesehen – bleibt die Verschuldung unserer Gemeinde auf einem sehr überschaubaren Niveau. Umgerechnet auf rund 9.273 Einwohnerinnen und Einwohner ergibt sich weiterhin eine moderate Pro-Kopf-Verschuldung (78 EUR je Einwohner).
Die Steuereinnahmen sind mit 12,0 MEUR angesetzt (+4%). Sie bestehen aus Gewerbesteuer (+3,2%) und rückläufigen Einnahmen aus Grundsteuer (-2,8%) sowie größtenteils den Zuweisungen aus Einkommenssteueranteilen, die sich nach der Einwohnerzahl berechnen. An dieser Stelle möchte ich eine Aussage im Mitteilungsblatt vom 27.11.2025 klarstellen. Der Gemeinderat hat die Gewerbesteuer – zumindest so meine Auffassung in der Sitzung – nicht zur Finanzierung des Bades erhöht und dies auch nicht so angekündigt. Es ist ein logischer Schritt zu einer gesunden Haushaltsführung sowie die Konsequenz auf veränderte steuerliche Rahmenbedingungen (anrechenbarer Satz auf Einkommenssteuer wurde erhöht).
Die Schlüsselzuweisung des Landes ist mit rd. 8,36 MEUR und damit fast 6 % Steigerung – wie die Jahre zuvor – eine der höchsten Einnahmen unserer Gemeinde.
Positiv möchte ich die Landeszuschüsse bzw. das Sonderetat von rund 6 MEUR erwähnen, die Ilvesheim in den kommenden 12 Jahren abrufen kann. Wir erachten es als sinnvoll, diese Beiträge klar Projekten unserer Gemeinde zuzuordnen.
Was wurde erreicht? Was steht noch an?
Hier möchte ich mit dem Thema starten, was bis letztes Jahr Ilvesheims größtes Projekt war: Die Mehrzweckhalle wurde eröffnet. Eine tolle Eröffnungsfeier – organisiert und geplant mit den Vereinen – zeigt, wie wertvoll die Ilvesheimer Vereinslandschaft ist. Umso schöner, dass nach 2,5 Jahren Sanierungszeit diese Baustelle mit dem Vorplatz abgeschlossen wurde – zumindest fast. Die Handläufe an den Treppen im inneren sollen ja bestellt sein.
In diesem Zusammenhang gab es auch bei der Kinderbetreuung wichtige Fortschritte. In der Mehrzweckhalle ist die Kita Rappelkiste eingezogen und ersetzt damit die bisherigen Container an der Neckarhalle. Auch in der Kita St. Josef konnten nach einer für alle Beteiligten nicht einfachen Bauphase im laufenden Betrieb deutliche Verbesserungen umgesetzt werden. Bei einer Begehung wurde sichtbar, wie sehr die Maßnahmen die Qualität der Einrichtungen gesteigert haben – inzwischen sind auch die Außenbereiche weitgehend bezugsfertig.
All diese Maßnahmen haben die ohnehin sehr gute Kinderbetreuung in Ilvesheim weiter verbessert. Für uns als SPD-Fraktion ist und bleibt dieses Thema seit Jahrzehnten von zentraler Bedeutung. Wir stehen für Verlässlichkeit, Qualität und ein ausreichendes Betreuungsangebot, weil wir überzeugt sind, dass gute Kinderbetreuung eine wesentliche Grundlage für Chancengleichheit, Familienfreundlichkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt ist.
Gleichzeitig ist es uns wichtig, die finanziellen Rahmenbedingungen offen anzusprechen – nicht, um Leistungen in Frage zu stellen, sondern um Transparenz zu schaffen und um Verständnis zu werben. Gute Kinderbetreuung kostet Geld, nicht nur bei Umbauten, sondern dauerhaft im Betrieb. Vor diesem Hintergrund ist uns die Zustimmung zur Landesempfehlung bei den Kindergartenbeiträgen auch im letzten Jahr nicht leichtgefallen.
Um die Dimension einzuordnen: In Ilvesheim werden durchschnittlich rund 355 Kinder (Mittelwert aus Okt. 25 und Juli 26) betreut. Im Jahr 2025 stellt die Gemeinde nach Abzug von Zuschüssen, die bei rund 50% lagen, rund 2,2 MEUR bereit. Das entspricht etwa 6,2 kEUR pro Kind und Jahr bzw. über 500 EUR pro Monat. Diese Zahlen machen deutlich, welchen hohen Stellenwert die Kinderbetreuung in unserer Gemeinde hat.
Machen wir einen kurzen Sprung in unserer Inselgemeinde. Dass Ilvesheim nur über Brücken mit dem alten Ortsteil verbunden ist, ist nicht nur eine geografische Besonderheit, sondern längst Teil unserer Identität. Umso sensibler sind Themen rund um diese Verbindungen – ganz besonders dann, wenn sie den Alltag vieler Menschen betreffen. Leider haben auch wir derzeit eine Brücke, die Feldwegbrücke, bei der der Fußweg bekanntermaßen gesperrt ist und erneuert werden muss. Eine Situation, die unbefriedigend ist – vor allem, weil dieser Weg auch ein wichtiger Schulweg ist. Als SPD-Fraktion hatten wir nach dem Bekanntwerden zeitlicher Verzögerungen angeregt, die Behörden und deren Verzögerung aufzuzeigen. Umso erfreulicher ist die gute Nachricht: Dass wir im Dezember einen tragfähigen Beschluss fassen konnten, ist nicht zuletzt dem engagierten Planungsbüro zu verdanken. So wird der zukünftige Gehweg, der nach Abzug von beantragten Zuschüssen mit 385 kEUR geplant ist, breiter und damit sicherer – gerade für Kinder auf ihrem täglichen Schulweg. Wichtig ist jetzt, dass aus Planung und Beschluss auch zeitnah sichtbare Fortschritte entstehen.
Schauen wir weiter in den Ilvesheimer Norden: Denn unweit davon soll das kleine Neubaugebiet „Sichelkrümme“ entstehen, das für die weitere Entwicklung Ilvesheims wichtig ist. Unser Vorschlag, mehrere Varianten ins Rennen zu geben, fand leider keine Mehrheit. Umso gespannter sind wir nun auf die Ergebnisse. Für uns bleibt entscheidend, dass hier Mietwohnraum entsteht – möglichst in Kombination mit bezahlbarem Wohnraum, um soziale Durchmischung und Wohnraum für unterschiedliche Lebenslagen zu schaffen.
In diesem Zusammenhang möchte ich den Ortsausgang Richtung Wallstadt erwähnen, wo Verkehrsberuhigung und Geschwindigkeitsüberwachung – insbe-sondere mit Blick auf den Schulweg aus dem Mahrgrund nach Feudenheim – dringend erforderlich sind.
Und in den kommenden Jahren wird die städtebauliche Entwicklung weiter an Dynamik gewinnen. Mit der geplanten Bebauung des Hallenbadgeländes sowie der Kanzelbachstraße stehen weitere wichtige Projekte an, die wir verantwortungsvoll und mit Blick auf das Gesamtgefüge unserer Gemeinde begleiten müssen. Wir wünschen uns hier eine zielgerichtete Planung – auch mit den beteiligten Vereinen –, damit diese Projekte zügig, aber mit der notwendigen Sorgfalt umgesetzt werden können.
Etwas weiter westlich wird das Gewerbegebiet „Ober dem Engelwasser“ entstehen. Nachdem dem Investor ein großer Ankermieter abgesprungen ist, gibt es hier neue Entwürfe. Wir hoffen, dass das Thema, was den Gemeinderat und die Verwaltung seit 10 Jahren beschäftigt, damit bald finalisiert werden kann.
Abschließen möchte ich die Projekte mit dem neuen größten Projekt in Ilvesheim. Nach dem Abschluss der Sanierung der Mehrzweckhalle fand im Oktober (endlich) der Spatenstich zum Bau des Kombibads statt – zumindest für Bauabschnitt 1, den Hallenbad-Teil. Ein wenig surreal ist es noch – nach über 10 Jahren nach dem Grundsatzbeschluss – wenn man nun in die Baugrube zwischen Neckarstadion und AllaHopp-Anlage schaut. Ein schöner Meilenstein, dessen Unterhaltungs- und Betriebskosten in der MFP auftauchen und berücksichtigt wurden. Für den Bau sind in 2026 5,68 MEUR geplant, weitere 11,5 MEUR in den beiden Folgejahren.
Aber wohin soll in diesem Jahr eigentlich noch Geld investiert werden?
Neben den bereits genannten großen Projekten lohnt sich ein Blick auf weitere Investitionen, die für den Alltag und die Sicherheit in Ilvesheim von zentraler Bedeutung sind. An erster Stelle steht dabei für uns die Sicherheit – und damit die Arbeit unserer Feuerwehr.
Nachdem das von uns kritisch gesehene Projekt „Aufzug“ im Feuerwehrgerätehaus nach Jahren abgeschlossen werden konnte, sind dort auch für das kommende Jahr umfangreiche Investitionen vorgesehen. Insgesamt sind rund 1 MEUR für unsere Feuerwehr eingeplant. Dazu gehört der Umbau einer Damenumkleide, die Installation einer Notstromanlage, um die Einsatzfähigkeit auch bei Stromausfällen sicherzustellen, sowie die Restzahlung für das Löschfahrzeug LF 10. Hinzu kommt die Anschaffung eines neuen Feuerwehrboots, das kurz vor dem Jahreswechsel ausgeliefert wurde. An dieser Stelle zeigt sich, welche Vorteile Sammelbestellungen über das Land bieten können – ein Ansatz, den wir auch für zukünftige Beschaffungen ausdrücklich empfehlen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf unseren kommunalen Einrichtungen. Die Neckarhalle soll eine neue Heizungsanlage erhalten. Diese Investition ist notwendig, um die Halle künftig vom Hallenbad abzukoppeln, dessen Abriss zeitnah ansteht. Die hierfür veranschlagten Kosten liegen bei rund 500 kEUR. Für diese Maßnahme – auch in Richtung Klimaneutralität – ist die Beantragung von Zuschüssen vorgesehen, sodass sich die finanzielle Belastung für die Gemeinde voraussichtlich reduzieren lässt.
Darüber hinaus sind Investitionen in die Infrastruktur vorgesehen: für einen Ölabscheider am Bauhof inklusive der notwendigen Platzgestaltung, für die Erneuerung der Straßenoberfläche in der Feudenheimer Straße, für die Sanierung der Scheffelstraße samt Kanalisation. Auch Restzahlungen für die Mehrzweckhalle sind im Haushalt berücksichtigt.
All diese Maßnahmen mögen auf den ersten Blick sehr unterschiedlich wirken. Doch sie haben eines gemeinsam: Sie sichern die Funktionsfähigkeit unserer Gemeinde, erhöhen die Sicherheit, erhalten unsere Infrastruktur und leisten zugleich einen Beitrag zu Klimaschutz.
Allein im Jahr 2026 investiert Ilvesheim rund 10 Millionen Euro. Das zeigt, dass wir weiterhin gestalten und wichtige Projekte umsetzen können. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass ein solches Investitionsvolumen nicht jedes Jahr selbstverständlich sein kann. Deshalb ist es notwendig, Investitionen regelmäßig zu überprüfen, Prioritäten zu setzen und Projekte zu hinterfragen, wenn es die Haushaltslage erfordert.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Bürgerinnen und Bürger,
und genau darum geht es uns als SPD-Fraktion auch zum Abschluss der Haushaltsberatungen: nicht um einzelne Projekte oder Zahlenreihen, sondern um einen Haushalt, der Prioritäten setzt und unsere Gemeinde handlungsfähig hält – heute und in den kommenden Jahren.
Denn Lebensqualität entsteht ganz greifbar durch funktionierende Infrastruktur, verlässliche Betreuung, sichere Wege, starke Vereine und ein Kommune, auf die man sich verlassen kann.
Es ist für uns wichtig, mit Augenmaß zu investieren, die finanzielle Stabilität zu wahren, aber gleichzeitig den Mut zu haben, notwendige Entwicklungen aktiv zu gestalten. Genau diesen Anspruch sehen wir in diesem Haushalt erfüllt.
Lassen Sie uns heute gemeinsam dafür sorgen, dass Ilvesheim auch in Zukunft ein Ort ist, an dem man sich wohlfühlt, sicher lebt und in dem man gerne zuhause ist. Ich jedenfalls blicke mit Stolz auf unsere Inselgemeinde.
Die SPD-Fraktion stimmt dem Haushalt 2026 sowie der mittelfristigen Finanzplanung bis 2029 zu.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Für die SPD-Fraktion
Christian Pickarts